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Als ich vor vielen, vielen Jahren meinen ersten Urlaub ohne Eltern antrat, tat ich dies ohne Spitznamen. Es ging in ein Zeltlager im Süden Frankreichs und mit mir reisten noch ein, zwei Klassenkameraden sowie einige andere aus meiner Schule. Die meisten von uns kamen als Punks aus diesen Ferien zurück... einige blieben es. Ich nicht. Wir kauften uns Sylvesterknaller im Hochsommer und sammelten erste Erfahrungen... mit Videospielautomaten. Space Invaders hieß die Kiste. Wenn man sich Croques bestellte, bekam man trockene Baguettes mit Salami oder Käse und da wir nicht am Meer zelteten, erfrischten wir uns täglich in einem eiskalten Gebirgsflüsschen. Außerdem lernten wir Berliner kennen und die gaben mir den Spitznamen Schroeder. Weil ich solche Ähnlichkeit hätte mit einem von den Peanuts. Sie meinten den mit dem Schnuffeltuch. Linus. Und auch wenn ich vor der Einschulung wirklich überall ein Kissen mit mir herumgeschleppt hatte, so lag das doch zu dem Zeitpunkt einige Jahre zurück. Egal, der Spitzname ließ einen solchen Rückschluss eh nicht zu, deutet er doch eher auf eine Affinität zu Beethoven hin [damals hieß der Kanzler noch anders]. Meine Schul- und Klassenkameraden brachten ihn jedenfalls zurück nach Hamburg. Er verbreitete sich in Windeseile... und blieb haften.

Als ich dann vorhin bei der Spreepiratin eines dieser [von mir nicht sonderlich geschätzten] "Welche/r/s [...] bin ich?"-Spielchen entdeckte, konnte ich nicht widerstehen. Welcher Peanuts-Charakter ich geworden bin? Natürlich Linus. Haben die Berliner immer schon gewusst.

Robert wollte sich schnell noch einen Sechserträger Mineralwasser besorgen. Das machte er immer bei dem kleinen italienischen Alimentari, der gegenüber seiner Wohnung lag. Einem dieser Lebensmittelläden, in denen man nicht nur Latte macchiato trinken, sondern dazu auch rauchen konnte. Robert war schnellen Schrittes - den Zehner in der Hand - an den Glastresen getreten. "Das ist ne freche Frisur. Nee, ist die frech", erscholl es hinter ihm. Die etwa 50-Jährige am hölzernen Mitteltresen hatte sicherlich schon den einen oder anderen Vino verhaftet und wen sie meinen konnte, war Robert auch sofort klar. Schon war die Frau zwei Schritte auf ihn zugekommen und strich ihm mit raschen Wechselbewegungen den abstehenden Haarpinsel buschig. "Der Mann hat Selbstbewusstsein, mit so einer Frisur herumzulaufen", erging sich die vom Alkohol beflügelte weiter. "Ja, und gefallen tut mir die Frisur auch", versuchte Robert den überraschenden Vorfall locker zu nehmen. "Ja, aber alle anderen lachen darüber", hielt die Angetrunkene fest, was sie als das Entscheidende an Roberts Frisur sah. Der Blick, den ihm die Besitzerin des Geschäfts zuwarf, war gequält, mitleidig und entschuldigend zugleich. Robert antwortete mit etwa dem selben Augenausdruck, ergänzt um eine beschwingte Note, die signalisieren sollte, wie locker Robert das Vorgefallene nahm. Mitleid hatte ja wohl eher die Ladeneigentümerin verdient, die den auffälligen Gast weiter beherbergen musste. Trotzdem war Robert froh, dass er aufgrund des vorgegebenen Tempos - mit dem Zehner in der Hand - schon wieder Richtung Ausgang schritt. [2001]

TotenkopfschwimmerIrgendwie gehören Weblogs ja verboten, so irreführend wie ihre Listung "beim" Google sein kann. Selbst dieses hier, was ja eher sparsam gefüllt ist und kaum von echten Links externer Seiten angesteuert wird, owned locker Suchanfragen wie "lara croft inventor". Wie kann das sein? Ich mein, die virtuelle Action-Archäologin ist vor gut 10 Jahren erfunden worden, da muss es doch massenhaft Seiten geben, die sich ernsthafter und umfangreicher mit den Vätern von Lara Croft befasst haben... egal, hab mir dann einen Spaß draus gemacht und nach "Michael Stich Sitzschmerz" gesucht. akimbo wieder in Führung *hrhr*... ebenso bei "Michael Stich look-a-like"... bei "Michael Stich Syndrom" dann die erste Schlappe... nur Platz 5 *hrhr*... auf dem vierten Platz lag die Netzeitung und von der hab ich dann gelernt, dass es den Begriff - also Michael Stich Syndrom - tatsächlich gibt... nachzulesen hier. Ist irgendwie nicht die Art von Eintrag, die ich als erfolgreicher Sportler in den Geschichtsbüchern hinterlassen möchte... erinnert mich an den Hingsen als Synonym für totales Versagen, hergeleitet von der erbärmlichen Fehlstartserie, dank derer Zehnkämpfer Jürgen Hingsen '88 in Seoul verfrüht die Heimreise antreten durfte... oder - schlimmer noch - an '76, als ein angehender Wurstfabrikant den entscheidenden Elfmeter gegen die Tschechen in den Belgrader Nachthimmel bombte... das wird ihm so schnell nicht verziehen... Deutsche sind halt keine Engländer und Hoeneß ist kein Beckham... aber ich will nicht heucheln, da bleib ich Elefant und nächstes Jahr sinds 30 Jahre hoeness76...

Wollen mal sehn, wer morgen bei "Hoeneß Sitzschmerz Syndrom" oder "Hingsen look-a-like Komplex" in Front liegt. Nennt es den Sieg des kleinen Mannes - aber es ist einfach ein tolles Gefühl .-)