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Der umtriebige MC Winkel muss mal wieder über die Stränge schlagen *hrhr*... wo andere sich im Ärger über denunzierende Nachbarn wahlweise Magengeschwür oder Strafanzeige wegen Körperverletzung einhandeln, ruft der durchgeknallte weltmännische Kieler zum Rahmen sprengenden Putz-Barbecue vor seinem Haus auf... und zwar ALLE - also auch euch!

MC Winkel gibt ein FestIHR ALLE plus Freunde seid eingeladen und helft mir! Ich veranlasse dafür eine große Hofparty, hinter dem Haus bei den Parkplätzen ist ein kleines Stückchen Grünfläche. Hier sorge ich für Bier, Würstchen und Musik (inkl. Live-Percussion-Show!). In der Zeit von 19.00h-0.00h wird im Treppenhaus der Feudel durch die Gänge gejagt - so blitzend hat man das Treppenhaus noch nicht gesehen!

Was reden Sie hier immer über erschossen?…Wen wollen Sie töten?… Ich weiß doch, dass Sie über mich reden… Sie wollen immer meine Kontonummer wissen… In dieser Republik werden schon lange Dunkelhaarige erschossen… Gucken Sie sich das Kind doch mal an! Der ist bestimmt nicht der Vater, die redet ja eine ganz andere Sprache… Ich habe einen deutschen Pass, aber… Schon in den 70ern wurden Dunkelhaarige erschossen… Ich hol die Polizei… Wenn sie noch länger über mich reden, hol ich die Polizei… Ich geh zur Polizei… Ich weiß doch, dass Sie mich erschießen wollen…
Dreineinhalb Jahre war das jetzt her, dass Robert fassungslos den Wortschwall seines geistig nicht gänzlich gesunden Nachbarn über sich ergehen lassen hatte. Kein Zweifel, der Mann hatte einen Knall. Und sicher, man hatte schon oft über sein seltsames Gebaren gesprochen. Aber nicht an diesem Abend. Eine Zeit lang hatten Robert und Hanne dem "Psycho", wie er hinter vorgehaltener Hand von der gesamten Nachbarschaft genannt wurde, sogar gestattet, Kontakt zu Minou aufzunehmen. Natürlich immer unter Beobachtung. Er hatte die - zwanghafte - Angewohnheit, gedachten oder echten Dreck von Minous Händen zu abzustreifen. Dabei ging er immer sehr liebevoll, das heißt behutsam und Sanftheit ausstrahlend vor. Die besorgten Eltern waren unsicher, ob sie ihm ein derartiges Verhalten nicht auch unter Beobachtung verwehren sollten. Sie sollten und sie taten es.
Als Robert am nächsten Tag, dem Tag nach der nächtlichen Ich-hol-die-Polizei-Tirade, den Nachbarn im Durchgang zum Hinterhof antraf, sprach er ihn an. Sagte ihm, dass er die Finger von Minou zu lassen hätte. El Loco konterte, mit welchem Recht Robert ihm das verbieten wolle. Ganz klar, Robert sprach mit der Stimme des Vaters. Doch ebendas wollte der Nachbar ihm nicht zugestehen. Wie in der Nacht zuvor schwoll die ungesund piepsige Stimme an und zeterte, dass er, Robert, ja wohl kaum der Vater sei. Das würde jeder sehen können. Robert wiederholte sein Anliegen, deutlich, die Stimme erhebend. Auch der Nachbar wurde immer lauter - dabei auch immer piepsiger - allerdings nur, weil er sich mit jedem Wort zwei Schritte weiter von Robert entfernt hatte. Ja, der Nachbar hatte praktisch auf dem Absatz kehrt gemacht. Robert hätte sich nun als siegreicher Löwenvater bestätigt fühlen können - tat er aber nicht. Fortan galt es, den idyllischen Hinterhof und seinen durch was auch immer aus der Spur geratenen Anwohner genauestens im Auge zu behalten. Robert hasste es, anderen Menschen mit Misstrauen zu begegnen. [2001]