[>>]
icon

 
Ich wollt ja mal nach Madagaskar reisen. Das war so 1991 und mit mir reisten 2 Hamburger Kumpels. Den einen, Wenzel, haben wir bereits nach weniger als 12 Stunden verloren und erst 2 Monate später in Hamburg wieder getroffen. Küning und ich waren zeitgleich mit Wenzels Verschwinden erst einmal in dieser verregneten, nicht besonders warmen, ersten afrikanischen Stadt unseres Lebens gestrandet. Zwei Tage lang bezahlte Air Madagaskar unseren Aufenthalt im Sixeighty Hotel. Da gab es reichlich Kakerlaken im Bad und englisches Frühstück am Buffet. Nach den zwei Tagen mussten wir umziehen und da wir eigentlich vorgehabt hatten, in das damals 12. ärmste Land der Welt zu reisen - was allerdings nicht unser Motiv für die Wahl des Reiseziels gewesen ist - blieb uns nichts anders übrig, als nach einer günstigen Absteige Ausschau zu halten. Der Lonely Planet Guide empfahl uns das Hotel Iqbal, in dessen schlichter Ausstattung wir uns die nächste Zeit einnisteten. Das Iqbal hatte im Gegensatz zum Sixeighty keine Kakerlaken vorzuweisen, dafür allerdings auch statt eines Klos nur ein Loch im Boden. Selbstverständlich lagen auch keine Frottee-Handtücher auf unsren Holzpritschen mit der Jugendherbergs-Bettwäsche. Küning bekam also endlich die Gelegenheit seine vermutlich der NASA-Forschung entsprungenen Körpertrocknungs-Tücher unter beinahe Survival-Bedingungen zu erproben. Eines der beiden war weiß und etwa so dick und groß wie diese meist gelben Lappen, die man zum Geschirrspülen benutzt. Das andere war etwas größer, knallig blau, noch dünner und hatte in etwa die Anmutung des YPS Abenteuerzeltes. Textil-Plastik oder so. Hat mich wirklich beeindruckt der Anblick. Die gar nicht mal so breiten Schultern kaum bedeckt vom blauen Anorak-Tuch und mühselig mit dem super saugfähigen Mini-Geschirrläppchen den ganzen Körper abarbeitend. Küning schaute im gleichen Atemzug allerdings zunehmend neidischer auf meine primitiven und unglaublich viel Platz verschlingenden Frottee-Handtücher. Das Iqbal wurde von Moslems geführt und dementsprechend waren weder Alkohol noch Frauenbesuche auf dem Zimmer gestattet. Was uns aber mehr erstaunte - und störte - war, dass man aufgrund irgendeiner dem British Empire entstammenden Gastronomie-Vorschrift erst ab 12 Uhr mittags Softdrinks kaufen durfte. Dafür lag dem Iqbal gegenüber die legendäre Modern Green Bar, die uns unser Zimmergenosse Jean-Luc ans Herz legte. Damals hatte der Laden bereits seit 23 Jahren durchgehend auf gehabt. Tag und Nacht. Immer. Vor der Tür einen verwachsenen Riesen mit grobschlächtiger Holzkeule und innen einen rundum mit gußeisernem Zaun eingefassten Tresen-Käfig. Die verwinkelten Räumlichkeiten waren rappelvoll, fast nur Schwarze, die Mehrzahl weiblich und ein paar Globetrotter. Die Frauen waren sozusagen in Lauerstellung und hatte man ihre amorösen Avancen 20-30 Mal mit Verweis auf den Finger am Ring und Ähnlichem abgewiesen, wurde man noch einmal genau so oft um Geld fürs Taxi angegangen. Außer Tusker oder White Cap Bier war bei mir aber nichts zu holen und so hatte ich alsbald verschissen. Küning ärgerte sich derweil über eine in Afrika stark verbreitete Viruskrankheit, obwohl er doch in seinem Reisegepäck kostbaren Platz für ein Desinfektions-Pumpspray eingeräumt hatte, das auch HIV-Viren den Garaus machen sollte.

Madagaskar Trip [Teil 1]