
Irgendwie hat mir der ungemütliche Wetterumschwung etwas von der Aufbruchsstimmung des Wochenendes genommen. Da war die Welt noch in Ordnung. Samstag war so brachial gutes Wetter, dass man sich zügeln musste, nicht in die "Args, ist das heiß"-Platitüden derer zu verfallen, die kurz zuvor noch gegen den Winter oder eben gegen unser ganzjähriges Pendant, den Hamburger Schmuddel, stänkerten. Der Regen ist mein Freund lautet seit Jahren meine Devise. Genannter Wahlspruch erlaubt es mir, mich in dieser von der Sonne selten geküssten Stadt wohlzufühlen. Trotzdem bin ich ein Kind des Sommers und zu heiß kenn ich nicht. Allerdings hätte ich mir nicht unbedingt den vergangenen Samstag ausgesucht, um mich in Schaffelle, Kettenhemd, schwere Ledermontur oder Pappmaché Konstruktionen gehüllt als Troglodyt, Ork, Oger oder norsischer Fantasykrieger auszugeben. Das haben aber einige auf dem diesjährigen Nordcon vollbracht und davor ziehe ich meinen Hut. 5000 Gäste sollen sich mit uns das Spektakel verkleidungswütiger Fantasy-, SciFi- und Gothic-Horror-Freaks zu Gemüte geführt haben. Selbstverständlich war auch dieses Jahr wieder von absolut peaciger Atmosphäre geprägt - wenn es zu Streitigkeiten unter den Aktiven kam, dann nur, weil sie beiderseitig gewollt waren und sogleich mit gezückter Pompfe [Latexnachbildung von Axt, Schwert, Kriegshammer etc.] geklärt werden sollten. Klar könnte es gerade in solchen Kämpfchen zum Auflodern echter Aggression kommen, aber soweit ich die Duelle und Massenschlachten beobachtet habe, hielten es alle mit der Dialektik des kindlichen Spiels. Soll heißen: heftig zuhauen bringt mir zwar kurzfristig Vorteile, mittel- und langfristig könnten aber weitere Gegner ausbleiben [schmerzhafte Blessuren werden dennoch in Kauf genommen]. Ich kann den Nordcon nur jedem ans Herz legen, der entweder Sympathie und Verbundenheit für die dort versammelte Spezies verspürt oder eben jenen, die ihren Kindern wirklich exotische Wesen bieten wollen, ohne den Eintritt für Hagenbecks Tierpark und ähnliche Institutionen berappen zu müssen. Gerade dieser Aspekt - öffentlicher Park, kein Eintritt - lässt mich den Nordcon Jahr für Jahr mehr genießen, als Mittelalterfeste, bei denen ich nach dem Blechen eines gesalzenen Wegezolls trotzdem noch das Gefühl habe, jeder Stand, jedes Büdchen, ja, jeder herum tollende Schausteller will mich nur um den Inhalt meiner Geldkatze erleichtert sehen.
[Nachtrag Fotoblog]:
Foto1 - Cyberpunk-Trio im sonnigen Eimsbüttel
Foto2 - Bildungswalküre im Mezzo-Akimbo
Foto3 - Finnischer Akimbo-Korrespondent Mika beim Hosentaschenakimbo neben belesener Walküre zwecks Größenvergleich
Die Fotos stammen von didier, der auch jeweils die Erlaubnis einholte, diese hier zu veröffentlichen.
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