Ich bin ja als junger Mensch viel nach Italien gefahren. Nach Süditalien, weil ich da mal per Zufall einige Freundschaften geschlossen habe. Das war ne tolle Zeit. Nie allein, aber stets unangemeldet in einer Kleinstadt namens Bisceglie erschienen. Und obwohl der junge und nicht mehr ganz so junge Italiener ansich bei seinen Eltern wohnt, wurden wir jedesmal fein untergebracht. Mal im ausgebauten Jugendkeller, mal beim Onkel vor den Toren der Stadt [der davon nichts wusste und uns mit dem Besen vertreiben wollte], mal im fürstlichen Gästezimmer, mal in ungenutzter, teilmöblierter Wohnung [da waren wir zu siebt, unangemeldet] und einmal in einer Garage mit Badezimmer und Marmorfußboden. Lernte man neue Menschen kennen, dann war natürlich meist die erste Frage, wo man denn herkäme und wenn man dann mit Hamburg antwortete, gab es stets die gleiche Reaktion. "Ah, Amburgo.... Magath, grrr!" Das war toll. Für mich jetzt nicht so rundum zufriedenstellend, weil ich ja gar kein HSV-Fan bin, aber in Sachen Europapokal bin ich erklärter Fußballpatriot und konnte die Ehrungen aufrichtig entgegen nehmen. In dieser Angelegenheit wich der Italiener dann aber schnell auf den Ländervergleich aus und auch wenn wir uns vor dem Jahre 1990 in vielen Jahrzehnten davor besser geschlagen hatten als die Azzuri, endeten derlei mit Händen, Füßen, Küchenitalienisch und Englischbrocken geführte Diskussionen stets mit: Wir 3, ihr 2! Weltmeistertitel nämlich. Das wurmte.
Dann aber kam das Jahr 1990. Italia Novanta. Und schon bevor die WM angepfiffen wurde, waren Menotti und ich uns sicher, aber sowas von sicher, dass unsere Fußball-WG am Ende Weltmeister sein würde. Dreifacher. Endlich. Der Corriere dello Sport hatte wohl ähnliche Befürchtungen, da er nach dem Auftaktsieg der Deutschen gegen Jugoslawien titelte, "Der Panzer fährt nach Rom." Martialisch, klar. Wir fandens toll und dachten genauso. Es kam, wie es kam. Die Italiener unterlagen im Halbfinale Argentinien. Der Panzer fuhr nach Rom und Brehme haute den Gauchos den Elfer ins Tor, dass kein Pommes zwischen Pfosten und Ball gepasst hätte. Sieg. Siebter Himmel. Singen auf dem Kiez.
Am nächsten Tag kaufte ich mir die Gazzetta dello Sport, weil die so schön rosa ist. Dort stand zu lesen: "Germania Campione - Schillacci sul trono del gol." Da uns der sizilianische Torschützenkönig aber wenig interessierte, transplantierte ich stattdessen von Seite 5 die Zeile "Brehme sale sul trono" auf den Titel. Das heißt soviel wie "Brehme besteigt den Thron." Das gefiel uns besser. Alles andere beließen wir, wie es war und ließen uns zwei T-Shirts mit dem Gazzetta-Titel bedrucken.
Drei Tage später packten wir Menottis hammerschlaglackierten Ford Granada, den wir Il Panzer getauft hatten, und fuhren nicht nach Rom, aber eben nach Süditalien. Kaum an der Österreichisch-Italienischen Grenze angekommen, warfen wir uns die Shirts über und gingen direkt dort den ersten Espresso trinken. Das war ein Fest. Jeder, wirklich jeder Italiener klopfte uns auf die Schulter, weil wir doch die betrügerischen Argentinier rausgehauen hätten. Klar, wenn die Azzuri ins Finale gekommen wären, dann hätte alles ein anders Ende genommen, fügten sie dann an. Aber, wir hatten es Aubergine auf Pink! Wir 3, ihr 3! Ein toller Urlaub.

Gestern dann wollte ich den Gazzetta-Titel rekonstruieren, um die T-Shirts, die viel getragenen, längst verschlissenen, neu aufzulegen. Und was seh ich da bei gazzetta.it? Man kann sich jeden Titel der Gazzetta dello Sport von 1896 bis heute nachdrucken lassen [siehe Bild]. Und genau das werden wir - auch wenn in der Unterzeile nur der sizilianische Torjäger auftaucht und nicht unser Hamburger Jung.
Dann aber kam das Jahr 1990. Italia Novanta. Und schon bevor die WM angepfiffen wurde, waren Menotti und ich uns sicher, aber sowas von sicher, dass unsere Fußball-WG am Ende Weltmeister sein würde. Dreifacher. Endlich. Der Corriere dello Sport hatte wohl ähnliche Befürchtungen, da er nach dem Auftaktsieg der Deutschen gegen Jugoslawien titelte, "Der Panzer fährt nach Rom." Martialisch, klar. Wir fandens toll und dachten genauso. Es kam, wie es kam. Die Italiener unterlagen im Halbfinale Argentinien. Der Panzer fuhr nach Rom und Brehme haute den Gauchos den Elfer ins Tor, dass kein Pommes zwischen Pfosten und Ball gepasst hätte. Sieg. Siebter Himmel. Singen auf dem Kiez.
Am nächsten Tag kaufte ich mir die Gazzetta dello Sport, weil die so schön rosa ist. Dort stand zu lesen: "Germania Campione - Schillacci sul trono del gol." Da uns der sizilianische Torschützenkönig aber wenig interessierte, transplantierte ich stattdessen von Seite 5 die Zeile "Brehme sale sul trono" auf den Titel. Das heißt soviel wie "Brehme besteigt den Thron." Das gefiel uns besser. Alles andere beließen wir, wie es war und ließen uns zwei T-Shirts mit dem Gazzetta-Titel bedrucken.
Drei Tage später packten wir Menottis hammerschlaglackierten Ford Granada, den wir Il Panzer getauft hatten, und fuhren nicht nach Rom, aber eben nach Süditalien. Kaum an der Österreichisch-Italienischen Grenze angekommen, warfen wir uns die Shirts über und gingen direkt dort den ersten Espresso trinken. Das war ein Fest. Jeder, wirklich jeder Italiener klopfte uns auf die Schulter, weil wir doch die betrügerischen Argentinier rausgehauen hätten. Klar, wenn die Azzuri ins Finale gekommen wären, dann hätte alles ein anders Ende genommen, fügten sie dann an. Aber, wir hatten es Aubergine auf Pink! Wir 3, ihr 3! Ein toller Urlaub.

Gestern dann wollte ich den Gazzetta-Titel rekonstruieren, um die T-Shirts, die viel getragenen, längst verschlissenen, neu aufzulegen. Und was seh ich da bei gazzetta.it? Man kann sich jeden Titel der Gazzetta dello Sport von 1896 bis heute nachdrucken lassen [siehe Bild]. Und genau das werden wir - auch wenn in der Unterzeile nur der sizilianische Torjäger auftaucht und nicht unser Hamburger Jung.






