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reise.fieber

Ich bin am Freitag von Hamburg nach Freiburg gefahren, im Wagen meiner Mutter, der lediglich mit einem Radio ausgestattet ist. Nun war dies nicht nur der Tag, an dem die Musikredakteurinnen aller Sender von der Pressekonferenz RWs zurückkamen und sich vor lauter Lob für den vielseitigen Musiker verhaspelten und sein Tripping alle halbe Stunde lief, es war auch der Tag, an dem die Springer-Zeitung Die Welt für ihre neue Wochenendserie Biografien der Welt oder so fleißig Werbung schaltete. Am Samstag sollte es die Jesusbiografie geben, am Sonntag dann Mohammed. Mein Tip für nächsten Samstag war der Weihnachtsmann...

Der eigentliche Grund meiner Reise war ein runder Geburtstag meiner Tante, nicht der 100. meiner Oma - der ist erst nächstes Jahr um diese Zeit. Natürlich dauern solche Feiern recht lang und als wir, die wir uns immer noch als die "jungen" Mitglieder der Sippe verstehen, endlich das nächtliche Freiburg eroberten, war der Stundenzeiger schon recht fortgeschritten. Mitten in der City fragten wir zwei hysterische Mädchen auf ihren Fahrrädern [Freiburg halt], wo man jetzt noch hingehen könnte. Sie empfahlen uns dringlichst [hysterisch eben] ins Waldsee zu gehen, zu den Turntablerockers. Wir bekamen ihre Eintrittsbändchen und folgten auch der Empfehlung, jemanden vorzuschicken, der noch mehr Bändchen für den Rest der "jungen" Sippe orgt. Wir hörten anderthalb Stücke, beobachteten das selbstgefällige Gehabe Michi Becks [Hausmarke, Fanta4] und forderten deshalb, dass die Turntablerockers doch, Michiiii - wir fahr'n im Puff nach Barcelona. Olé, olé... spielen sollten, bevor die Polizei die Sperrstunde ausrief. Vom Taxifahrer ließen wir uns zu einem Laden chauffieren, der immer bis halb zehn am Morgen geöffnet haben sollte. Kaum hatten wir den Eintritt berappt, war die Polizei aber schon wieder vor Ort und schloss auch diesen Club. Um fünf Uhr morgens...

Freiburg im Breisgau ist ja tagsüber ein schmuckes Städtchen, mit tollem Wetter und einer angenehm jungen Bevölkerung, aber das Nachtleben ist ein Graus. Sperrstunde kenne ich als Hamburger überhaupt nicht und in einer Stadt, in der jeder fünfte Bewohner Student ist, hätte ich das auch nicht erwartet.

Ich wollt ja mal nach Madagaskar reisen. Das war so 1991 und mit mir reisten 2 Hamburger Kumpels. Den einen, Wenzel, haben wir bereits nach weniger als 12 Stunden verloren und erst 2 Monate später in Hamburg wieder getroffen. Küning und ich waren zeitgleich mit Wenzels Verschwinden erst einmal in dieser verregneten, nicht besonders warmen, ersten afrikanischen Stadt unseres Lebens gestrandet. Zwei Tage lang bezahlte Air Madagaskar unseren Aufenthalt im Sixeighty Hotel. Da gab es reichlich Kakerlaken im Bad und englisches Frühstück am Buffet. Nach den zwei Tagen mussten wir umziehen und da wir eigentlich vorgehabt hatten, in das damals 12. ärmste Land der Welt zu reisen - was allerdings nicht unser Motiv für die Wahl des Reiseziels gewesen ist - blieb uns nichts anders übrig, als nach einer günstigen Absteige Ausschau zu halten. Der Lonely Planet Guide empfahl uns das Hotel Iqbal, in dessen schlichter Ausstattung wir uns die nächste Zeit einnisteten. Das Iqbal hatte im Gegensatz zum Sixeighty keine Kakerlaken vorzuweisen, dafür allerdings auch statt eines Klos nur ein Loch im Boden. Selbstverständlich lagen auch keine Frottee-Handtücher auf unsren Holzpritschen mit der Jugendherbergs-Bettwäsche. Küning bekam also endlich die Gelegenheit seine vermutlich der NASA-Forschung entsprungenen Körpertrocknungs-Tücher unter beinahe Survival-Bedingungen zu erproben. Eines der beiden war weiß und etwa so dick und groß wie diese meist gelben Lappen, die man zum Geschirrspülen benutzt. Das andere war etwas größer, knallig blau, noch dünner und hatte in etwa die Anmutung des YPS Abenteuerzeltes. Textil-Plastik oder so. Hat mich wirklich beeindruckt der Anblick. Die gar nicht mal so breiten Schultern kaum bedeckt vom blauen Anorak-Tuch und mühselig mit dem super saugfähigen Mini-Geschirrläppchen den ganzen Körper abarbeitend. Küning schaute im gleichen Atemzug allerdings zunehmend neidischer auf meine primitiven und unglaublich viel Platz verschlingenden Frottee-Handtücher. Das Iqbal wurde von Moslems geführt und dementsprechend waren weder Alkohol noch Frauenbesuche auf dem Zimmer gestattet. Was uns aber mehr erstaunte - und störte - war, dass man aufgrund irgendeiner dem British Empire entstammenden Gastronomie-Vorschrift erst ab 12 Uhr mittags Softdrinks kaufen durfte. Dafür lag dem Iqbal gegenüber die legendäre Modern Green Bar, die uns unser Zimmergenosse Jean-Luc ans Herz legte. Damals hatte der Laden bereits seit 23 Jahren durchgehend auf gehabt. Tag und Nacht. Immer. Vor der Tür einen verwachsenen Riesen mit grobschlächtiger Holzkeule und innen einen rundum mit gußeisernem Zaun eingefassten Tresen-Käfig. Die verwinkelten Räumlichkeiten waren rappelvoll, fast nur Schwarze, die Mehrzahl weiblich und ein paar Globetrotter. Die Frauen waren sozusagen in Lauerstellung und hatte man ihre amorösen Avancen 20-30 Mal mit Verweis auf den Finger am Ring und Ähnlichem abgewiesen, wurde man noch einmal genau so oft um Geld fürs Taxi angegangen. Außer Tusker oder White Cap Bier war bei mir aber nichts zu holen und so hatte ich alsbald verschissen. Küning ärgerte sich derweil über eine in Afrika stark verbreitete Viruskrankheit, obwohl er doch in seinem Reisegepäck kostbaren Platz für ein Desinfektions-Pumpspray eingeräumt hatte, das auch HIV-Viren den Garaus machen sollte.

Madagaskar Trip [Teil 1]

Ich wollt ja mal nach Madagaskar reisen. Das war so 1991 und mit mir reisten 2 Hamburger Kumpels - nennen wir sie hier mal Wenzel und Küning - mit denen ich mich etwa 1 Jahr auf den Trip vorbereitet hatte. Als wir für einen [geplanten] sechsstündigen Aufenthalt in Nairobi, Kenia zwischenlandeten, feierten wir fröhlich in meinen Geburtstag hinein, nur um kurz danach zu erfahren, dass der Weiterflug gestrichen sei. Auf unbestimmte Zeit. Unglücklicherweise hatte Madagaskars Diktator Ratsiraka zu dem Zeitpunkt etwa 30 Oppositionelle erschießen und weitere 150 verhaften lassen. Was einen gewissen zivilen Ungehorsam in Form eines landesweiten Generalstreiks nach sich zog, dem Air Madagaskar nichts entgegen zu setzen hatte. Küning und ich wurden von der Fluglinie in einem angeblichen 5 Sterne Hotel untergebracht. Wenzel durfte nicht mit. Er war Tscheche und hatte als solcher im Gegensatz zu uns Deutschen kein automatisches Aufenthaltsvisum. Als Küning und ich uns nach 2 Tagen auf die Suche nach einer Absteige machten, die wir uns aus eigener Tasche leisten konnten, saß Wenzel immer noch im Flughafenknast. Aber das wussten wir zu dem Zeitpunkt noch nicht. Tag und Nacht brannte Neonlicht, für einmal lüften musste er 1 Dollar bezahlen und neben zahlreichen Somalis und Madegassen teilte er die Zelle noch mit einem riesigen weißen Südafrikaner, der ein "Bundeswehr"-Unterhemd trug. Dieser fühlte sich pudelwohl im Flughafenkerker, war praktisch der Pate des Ladens und konnte sich nach Lust und Laune mit Stewardessen diverser Fluglinien Boris Becker mäßig in die Besenkammer begeben. Wenzel wurde stattdessen verhört. Wann er oder seine Verwandtschaft das letzte Mal in Jugoslawien gewesen sei zum Beispiel. Nun ist Jugoslawien zwar Kriegsgebiet gewesen in diesen Tagen, aber Wenzel wusste trotzdem nicht so recht, was die Geheimpolizei des Nomo Kenyatta Airports von ihm wollte. Zur Erinnerung: Wenzel ist Tscheche und weder Tschechien noch die CSSR war jemals Teil der VR Jugoslawien. Nach insgesamt 4 Tagen Neonlicht und um einige Dollar ärmer, durfte Wenzel dann nach Amsterdam fliegen. 7 Flaschen Wodka hatte er noch springen lassen müssen, damit sein Gepäck auch mitfliegen durfte.

In Amsterdam erfuhr Wenzel dann, dass er für einen Weiterflug in die Karibik 25 Dollar Tagessatz nachweisen müsste - und die hatte er nicht. Also flog er stattdessen nach Madrid, um sich dort in einen Flieger nach Marokko zu setzen. Bevor es dazu kam, wurde das Taxi in dem Wenzel saß in einen Unfall verwickelt und dem gebeutelten Tschechen daraufhin ein Schleudertrauma bescheinigt. Frustriert ist Wenzel dann in seine Heimat geflogen und hat die nächsten 6 Wochen die Seele baumeln lassen.

Madagaskar Trip [Teil 2]